Samstag, 12. Dezember 2009

Samstag, 12. Dezember 2009
Geburtentransfer löst Streit aus
Spitalfusion Unverständnis in Kilchberg über geplante Verlegung der Geburtenabteilung nach Horgen
Der Gemeinderat Kilchberg opponiert gegen die geplante Konzentration der Geburtshilfe im Spital Zimmerberg.
Katharina Weber

Dass die traditionsreiche Gebärabteilung des Spitals Sanitas mit der Spitalfusion nach Horgen ins Spital Zimmerberg verlegt werden soll, stösst dem Kilchberger Gemeinderat sauer auf. (Archiv)

«Eine Spitalfusion ja - aber so nicht.» Der Kilchberger Gemeindepräsident Hans-Ulrich Forrer gebraucht deutliche Worte, um den am Donnerstag publik gemachten Entscheid zu kommentieren, dass die Geburtenabteilung der dereinst fusionierten Spitäler Zimmerberg und Sanitas ab 2011 in Horgen konzentriert werden soll. «Dies ist eine Kehrtwendung um 180 Grad - als die Fusion beschlossen wurde, hiess es, die Stärken der beiden Spitäler sollten weiterentwickelt werden. Und die Stärke des Sanitas ist die Geburtenabteilung», sagt Forrer. Der Kilchberger Gemeinderat habe sein Befremden in einem Schreiben an die Verantwortlichen kundgetan: «Wir fürchten, dass dieser Prozess längerfristig auf eine Schliessung des Sanitas in Raten hinausläuft.»

Forrer vertritt die Gemeinde Kilchberg im Stiftungsrat des Sanitas. Dieser delegierte den Entscheid über die künftigen Schwerpunkte der beiden fusionswilligen Spitäler jedoch an einen vierköpfigen Steuerungsausschuss, bestehend aus den Stiftungsratspräsidenten Albert Gnägi (Sanitas) und Walter Bosshard (Zimmerberg) sowie den Stiftungsratsmitgliedern Werner Widmer (Zimmerberg) und Heinz Spälti (Sanitas), der auch Adliswiler Gesundheitsvorstand ist. Gnägi beteuert, der Entscheid sei dem Ausschuss «unglaublich schwer gefallen. Die Geburtenklinik ist der Ursprung und das Herz des Sanitas.» Er rechtfertigt jedoch die finanzielle Notwendigkeit einer einzigen Geburtenklinik mit Blick auf die Spitalliste 2012. Durch die Verlegung nach Horgen sollen 1,5 Mio. Franken gespart werden, bei Einsparungen von insgesamt 10 bis 12 Mio. Franken. «Nur so können wir sicherstellen, dass beide Spitäler überleben», sagt Gnägi und verweist darauf, dass das Sanitas seiner hohen Fallkosten wegen weit oben auf der Liste gefährdeter Spitäler stehe.

Fusion gefährdet?

Das letzte Wort zur Spitalfusion haben 2010 die Legislativen der Trägergemeinden. Forrer schliesst nicht aus, dass der Kilchberger Gemeinderat der Gemeindeversammlung den Antrag stellen könnte, die Fusion abzulehnen: «Wenn wir jetzt entscheiden müssten, würde ich als Präsident ein Nein empfehlen.» Vorerst suche der Gemeinderat jedoch das Gespräch mit dem Steuerungsausschuss: «Wir hoffen, dass der Entscheid nochmals überdacht wird, oder dass wir Argumente hören, die politisch nachvollziehbar sind.»

Walter Bosshard, der auch Gemeindepräsident von Horgen ist, kann die Bedenken aus Kilchberg grundsätzlich nachvollziehen. «Wir müssen jedoch eine Lösung finden, die eine konkurrenzfähige Spitalversorgung in der Region langfristig sichert - und hierfür ist eine Konzentration der Leistungen unumgänglich.» Dass damit dereinst eine Schliessung des Sanitas drohe, bestreitet Bosshard vehement. Die im Sanitas vorgesehenen Disziplinen wie Orthopädie und Urologie wiesen ein stetes Wachstum auf und könnten von der Nähe zur Stadt Zürich profitieren.

Dass die Fusion am Streit um die Geburtsklinik scheitern könnte, fürchtet Bosshard nicht. «Ich bin überzeugt, dass wir diesen Entscheid für die Gemeinden und Stimmbürger nachvollziehbar machen können.»

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