Dienstag, 26. Januar 2010

Widerstand gegen Spitalfusion weitet sich aus

Mit einer Einzelinitiative will ein Adliswiler Ehepaar erreichen, dass das Stimmvolk über die Fusion der Spitäler Sanitas und Zimmerberg entscheidet.

Adliswil - Der Kampf gegen die Schliessung der Geburtsabteilung des Kilchberger Sanitas-Spitals infolge der geplanten Fusion des Hauses mit dem Horgner Zimmerberg-Spital geht in die nächste Runde. Bis jetzt haben erst der Gemeinderat und die FDP von Kilchberg sowie die Sanitas-Belegschaft gegen die Fusionspläne opponiert. Jetzt regt sich auch in Adliswil Widerstand.

Mit einer Einzelinitiative wollen Nadja Manneh-Stark und ihr Ehemann Günter Stark die Gemeinde dazu bewegen, den Fusionsvertrag nicht zu genehmigen. Acht von zwölf Trägergemeinden der beiden Spitäler müssen dem Vertrag zustimmen, damit die Fusion tatsächlich umgesetzt wird. In Adliswil entscheidet der Stadtrat.

Schon nächste Woche wird der Gemeinderat Adliswil über die Einzelinitiative beraten. Initiantin Nadja Manneh-Stark ist von der Fusion selbst betroffen. Die Gynäkologin arbeitet als Belegärztin im Spital Sanitas. Laut ihrem Mann Günter Stark hat sie einen grossen Anteil an den rund 600 Geburten, die jährlich in Kilchberg durchgeführt werden. Darum kämpft das Paar gegen die Schliessung der Geburtsabteilung, und «weil nachher im Bezirk etwas fehlt», wie Günter Stark sagt. «Kommt die Fusion wie geplant zustande wird das Sanitas sterben. Da sind wir uns ziemlich sicher. Um überleben zu können, reisst Horgen alles an seinen Standort.»

Pikante Details

Im Initiativtext bringt das Paar bewusst auch neue, pikante Details an die Öffentlichkeit. Dass die Geburtsabteilung entgegen den ursprünglichen Plänen nach Horgen komme, sei an einer Arbeitssitzung im November entschieden worden. An diese Sitzung seien vierzehn Personen geladen worden - neun Vertreter vom Spital Zimmerberg und fünf Vertreter vom Sanitas. Auch Nadja Manneh-Stark war dabei. «Es wurde abgestimmt: Die Abstimmung endete 8:6 zugunsten Zimmerberg - wen wundert es?», schreiben die Initianten.

Ein Drittel der Gemeinderäte muss die Einzelinitiative unterstützen, damit sie an den Stadtrat gelangt. «Zwölf Parlamentarier, das ist nicht viel», sagt Stark. Es sieht tatsächlich danach aus, als ob die Initianten die nötige Unterstützung bekommen. Obwohl gegen die Fusion an und für sich niemand etwas einzuwenden hat, sympathisieren Vertreter aller Parteicouleur mit dem Vorstoss. SVP-Präsident und Gemeinderat Renato Günthardt beispielsweise sagt: «Die Geburtsabteilung ist ein wichtiges Standbein. Ich habe Mühe damit, dass offensichtlich Versprechungen nicht eingehalten wurden.» Ähnlich klingt es aus der CVP und der SP. SP-Gemeinderat Davide Loss überbrachte gestern dem Stadtrat eine Interpellation. «Von einer Schliessung der Geburtsabteilung wären viele Adliswiler Familien betroffen», schreibt er und will bewirken, dass es eine «sinnvolle Lösung» fürs Spital Sanitas gibt. Er würde die Fusion unterstützen, wenn die Geburtsklinik in Kilchberg bliebe.

Nur bei der FDP stehen die Karten für die Einzelinitiative wohl schlecht. Der freisinnige Stadtrat Heinz Spälti hat als Stiftungsratsmitglied des Spitals mitentschieden, die Geburtsabteilung in Horgen zu konzentrieren. «Herz und Kopf waren sich nicht einig. Ich musste die Fakten berücksichtigen.» Spälti sagt, die Initiative bringe nichts. Er geht davon aus, dass sie nicht gutgeheissen wird. Und wenn doch, gehe sie an den Stadtrat. Dieser hat eineinhalb Jahre Zeit, sie zu behandeln. «Bis dann ist die Fusion längst vollzogen», sagt er. Überhaupt könne eine Initiative dem Stadtrat die Kompetenz, über den Fusionsvertrag zu entscheiden, nicht entziehen. Bettina Ledergerber

Erstellt: 26.01.2010, 02:02 Uhr

Jetzt regt sich auch in Adliswil Widerstand gegen die Spitalfusion

Mit einer Einzelinitiative will ein Adliswiler Ehepaar erreichen, dass das Stimmvolk über die Fusion der Spitäler Sanitas und Zimmerberg entscheidet. Im Gemeinderat hat das Begehren gute Chancen.

Immer lauter ist die Kritik. Immer stärker wird der Widerstand, und immer mehr breitet er sich aus. Der Kampf gegen die Schliessung der Geburtsabteilung des Kilchberger Sanitas-Spitals infolge der geplanten Fusion des Hauses mit dem Horgner Zimmerberg-Spital geht in die nächste Runde. Bis jetzt haben erst der Kilchberger Gemeinderat, die Kilchberger FDP und die Belegschaft des Sanitas-Spitals gegen die Fusionspläne opponiert. Jetzt regt sich auch in Adliswil Widerstand.

Mit einer Einzelinitiative wollen Nadja Manneh-Stark und ihr Ehemann Günter Stark die Gemeinde dazu bewegen, den Fusionsvertrag nicht zu genehmigen. Acht von zwölf Trägergemeinden der beiden Spitäler müssen dem Vertrag zustimmen, damit die Fusion tatsächlich umgesetzt wird. Dies soll noch im nächsten halben Jahr an den Gemeindeversammlungen geschehen, in Adliswil entscheidet der Stadtrat, in Wädenswil das Parlament.

Pikante Details

Schon nächste Woche wird der Gemeinderat Adliswil über den Vorstoss beraten. Initiantin Nadja Manneh-Stark ist von der Fusion selbst betroffen. Die Gynäkologin arbeitet als Belegärztin im Spital Sanitas. Laut ihrem Mann Günter Stark hat sie einen grossen Anteil an den rund 600 Geburten, die jährlich in Kilchberg durchgeführt werden. Darum kämpft das Paar gegen die Schliessung der Geburtsabteilung, und «weil nachher im Bezirk etwas fehlt», wie Günter Stark sagt. «Kommt die Fusion wie geplant zustande wird das Sanitas sterben. Da sind wir uns ziemlich sicher. Um überleben zu können, reisst Horgen alles an seinen Standort.» Stark spricht von einer «feindlichen Übernahme».

Im Initiativtext bringt das Paar bewusst auch neue, pikante Details an die Öffentlichkeit. Dass die Geburtsabteilung entgegen den ursprünglichen Plänen nach Horgen komme, sei an einer Arbeitssitzung im November entschieden worden. An diese Sitzung seien vierzehn Personen geladen worden – neun Vertreter vom Spital Zimmerberg und fünf Vertreter vom Sanitas. Auch Nadja Manneh-Stark war dabei. «Es wurde abgestimmt: Die Abstimmung endete 8:6 zugunsten Zimmerberg – wen wundert es?», schreiben die Initianten. Die beiden glauben, dass die Initiative Chancen hat. Ein Drittel der Gemeinderäte muss sie unterstützen, damit sie an den Stadtrat gelangt. «Zwölf Parlamentarier, das ist nicht viel», sagt Stark.

In vielen Parteien Sympathien

Es sieht tatsächlich danach aus, als ob die Initianten die nötige Unterstützung bekommen. Die Fraktionssitzungen für die nächste Gemeinderatsdebatte haben alle noch nicht stattgefunden, deshalb hat auch keine Adliswiler Partei ihre offizielle Haltung kundgetan. Obwohl gegen die Spital-Fusion an und für sich niemand etwas einzuwenden hat, sympathisieren Vertreter fast aller Parteicouleur mit dem Vorstoss des Ehepaars Stark.

SVP-Präsident Renato Günthardt beispielsweise wurde selbst im Sanitas geboren. «Die Geburtsabteilung ist ein wichtiges Standbein. Ich habe Mühe damit, dass offensichtlich Versprechungen nicht eingehalten wurden», sagt der Gemeinderat.

Ähnlich klingt es aus der CVP. Präsidentin Ruth Oesch, die selbst nicht im Gemeinderat sitzt, ist «eine absolute Befürworterin» der Initiative.

SP reicht Interpellation ein

SP-Gemeinderat Davide Loss stösst ins gleiche Horn. Er überbrachte gestern Vormittag dem Stadtrat eine Interpellation. «Zahlreiche Mütter gebären ihre Kinder im Spital Sanitas. Von einer Schliessung der Geburtsabteilung wären viele Adliswiler Familien betroffen», schreibt Loss. Er will bewirken, dass es eine «sinnvolle Lösung» fürs Spital Sanitas gibt. Der Gemeinderat würde die Fusion unterstützen, wenn die Geburtsklinik in Kilchberg bliebe.

Nur bei der FDP stehen die Karten für die Einzelinitiative wohl schlecht. Gemeinderat Peter Werder von der FDP wollte sich gestern noch nicht dazu äussern, und der freisinnige Stadtrat Heinz Spälti hat als Stiftungsratsmitglied des Spitals mitentschieden, die Geburtsabteilung in Horgen zu konzentrieren. «Herz und Kopf waren sich nicht einig. Ich musste die Fakten berücksichtigen», sagt der Gesundheitsvorstand.

«Initiative bringt nichts»

Spälti zeigt Verständnis für die Initiative. «Das ist das Recht jedes Bürgers», sagt er. «Doch die Initiative bringt nichts.» Spälti sagt, er gehe davon aus, dass sie nicht gutgeheissen wird. Und wenn doch, gehe sie an den Stadtrat. Dieser hat eineinhalb Jahre Zeit, um den Antrag zu behandeln. «Bis dann ist die Fusion längst vollzogen», sagt er. Auch liege die Kompetenz, über den Fusionsvertrag zu entscheiden, beim Stadtrat. Er sagt, eine Initiative könne dem Stadtrat diese Kompetenz nicht entziehen.

Montag, 25. Januar 2010

Interpellation SP Adliswil

Adliswil, 25. Januar 2010
Vorstoss von Gemeinderat Davide Loss, SP Adliswil


Interpellation betreffend Schliessung der Geburtenabteilung des Spitals Sanitas


Den Medien war zu entnehmen, dass die Geburtenabteilung des Spitals Sanitas geschlossen werden soll. Die Geburtenabteilung des Spitals Sanitas ist vor allem in Adliswil sehr beliebt und daher von grosser Bedeutung. Zahlreiche Mütter gebären ihre Kinder im Spital Sanitas. Von einer Schliessung wären viele Adliswiler Familien betroffen.
Die Geburtenabteilung des Spitals Sanitas soll aus finanziellen Gründen in das Spital Zimmerberg verlegt werden. Das Spital Zimmerberg stösst jedoch bereits heute an seine Kapazitätsgrenzen, während das Spital Sanitas über grosse Kapazitäten verfügt. Zudem ist es nicht ersichtlich, wie Kosten eingespart werden sollen. Medizinische Gründe sind ebenfalls nicht ersichtlich, da die Fixkosten bestehen würden. Mit nur einer, starken Geburtenabteilung im Spital Sanitas (mit 1'200 Geburten pro Jahr) könnten die Mehrkosten von CHF 700'000 locker finanziert werden, da das Spital über die Fallkosten entschädigt wird. Aus finanzieller als auch aus medizinischer Sicht wäre das die beste Lösung.
Weiter gilt es zu beachten, dass das Spital Sanitas insbesondere dank seiner Geburtenabteilung weit über die Grenzen des Bezirks Horgen bekannt ist. Eine Schliessung der Geburtenabteilung des Spitals Sanitas könnte gar kontraproduktiv wirken und der Anfang vom Ende des Spitals Sanitas bedeuten. Dies gilt es in jedem Fall zu verhindern.
Bei der geplanten Schliessung der Geburtenabteilung des Spitals Sanitas gingen ausserdem zahlreiche Arbeitsplätze verloren. Es stellt sich deshalb die Frage, ob die Geburtenabteilung des Spitals Sanitas auch bei einem Zustandekommen der Fusion des Spitals Sanitas mit dem Spital Zimmerberg erhalten bleiben kann. Dies wäre aus Adliswiler Sicht wohl wünschenswert.
Ich bitte den Stadtrat um Beantwortung folgender Fragen:
1.
Hat der Stadtrat Kenntnis von der geplanten Schliessung der Geburtenabteilung des Spitals Sanitas?
2.
Wie stellt sich der Stadtrat zur geplanten Schliessung der Geburtenabteilung des Spitals Sanitas? Und mit welcher Begründung?
3.
Wann wäre mit der Schliessung der Geburtenabteilung des Spitals Sanitas zu rechnen?
4.
Wo würden die Geburten des Spitals Sanitas in Zukunft stattfinden, wenn diese im Spital Zimmerberg aus Kapazitätsgründen nicht durchgeführt werden können?
5.
Mit welchen Konsequenzen rechnet der Stadtrat für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei einer Schliessung der Geburtenabteilung des Spitals Sanitas?
6.
Gäbe es aus Sicht des Stadtrats eine Möglichkeit, die Geburtenabteilung des Spitals Sanitas trotz einer Fusion mit dem Spital Zimmerberg beizubehalten? Kann der Entscheid über die Weiterführung der Geburtenabteilung des Spitals Sanitas unabhängig von der Frage der Fusion der beiden Spitäler getroffen werden?
7.
Wie stellt sich der Stadtrat zum Vorschlag, die Fusion des Spitals Sanitas und des Spitals Zimmerberg zu unterstützen, wenn im Gegenzug die Geburtenabteilung des Spitals Sanitas beibehalten werden kann?
8.
Wie will sich der Stadtrat aktiv in die laufende Diskussion einbringen und die Position Adliswils darlegen?

Für die Beantwortung der Fragen danke ich dem Stadtrat im Voraus.

Davide Loss Gemeinderat SP

Dienstag, 19. Januar 2010

«Ohne Fusion geht das Sanitas pleite»

Von Mit Hans-Jakob Riedtmann sprach Patrick Gut. Aktualisiert am 19.01.2010

Der Horgner Chirurg Joggi Riedtmann hat Erfahrung mit Spitalfusionen. Vor einigen Jahren hat er die Fusion der Spitäler Horgen und Wädenswil massgeblich geprägt. Auch die Fusion der Spitäler Zimmerberg und Sanitas ist in seinen Augen notwendig. Laut Riedtmann wird sie aber falsch angepackt.

Sie waren als Chefarzt der chirurgischen Klinik Horgen eine der leitenden Figuren bei der Spitalfusion Wädenswil-Horgen. Was halten Sie von der aktuellen Fusion des Sanitas mit dem Spital Zimmerberg?

Die jetzige Fusion ist keine echte Fusion. Die beiden Häuser bleiben erhalten. Sie liegen zu weit auseinander, als dass man sie zusammenlegen könnte. Das wäre nur mit einem Spital auf der grünen Wiese möglich. Es werden also nicht zwei unterschiedliche Angebote an einem Standort zusammengelegt, sondern man bildet eine Verwaltungseinheit mit zwei Häusern. Bei der Fusion der Spitäler Wädenswil und Horgen haben zudem zwei gleichwertige Partner fusioniert.

Das ist jetzt also nicht der Fall?

Das Sanitas steckt in einer finanziellen Klemme. Seit 2002, seit die Spitäler via Fallkosten entschädigt werden, hat es keine schwarzen Zahlen mehr geschrieben. Nach Aussage des Stiftungsratspräsidenten wird das Stiftungskapital bald aufgebraucht sein. Das Sanitas könnte so noch ein bis zwei Jahre weiterkutschieren. Dann müsste es aber seine Bilanz deponieren. Das Sanitas braucht zwingend einen Partner, der ihm aus der Bredouille hilft. Die Fallkosten müssen sinken.

Das Sanitas ist also der Juniorpartner in dieser Spitalfusion?

Ganz genau. Die Fallkosten sind aber auch im Spital Zimmerberg noch zu hoch. Zudem hat das Spital Zimmerberg ein Platzproblem. Das kann es mit der Fusion lösen.

Durch die Fusion soll das Sanitas seine Geburtshilfe verlieren. Ein Entscheid, der für Aufruhr sorgt.

Es gibt keinen medizinischen Grund für die Konzentration der Geburtshilfe in Horgen. Da geht es einzig um die Finanzen. Die Geburtshilfe im Sanitas würde 700 000 Franken zusätzliche Kosten pro Jahr verursachen.

War der Entscheid also richtig?

Es ist ein Entscheid, der das Sanitas im Herzen trifft. Das Sanitas war ursprünglich eine reine Geburtshilfeklinik. Man kann die Geburtshilfe nicht nach Horgen verschieben, ohne die Leute im Sanitas vom Sinn dieser Massnahme zu überzeugen.

Also ist es eine Frage der Kommunikation?

Die Stiftungsräte haben entschieden, ohne Politik, Ärzteschaft oder Pflege vorher abzuholen. Das war zumindest wenig sensibel.

Und die Verlegung der Geburtshilfe selbst?

Aus regionalpolitischer Sicht würde man es besser umdrehen. Wenn ich die Geburtshilfe an einem Ort konzentriere, muss ich das in der Nähe von Zürich tun. Würde die Geburtshilfe in Horgen wegfallen, müssten sich die Frauen so oder so in Richtung Zürich orientieren. Dann liegt das Sanitas in Kilchberg immer noch näher als ein Spital in Zürich. Fällt hingegen die Geburtsabteilung im Sanitas weg, kommen die Frauen aus Zürich bestimmt nicht nach Horgen zum Gebären.

Und wie lösen Sie das Kostenproblem?

Das Ziel müsste sein, im Sanitas eine starke Geburtshilfeabteilung mit 1200 Geburten jährlich aufzubauen, also 200 zusätzliche Geburten zu erreichen. Dann wären die 700 000 Franken Mehrkosten locker finanziert.

Wie es jetzt aussieht, verzichtet die Spitalleitung lieber auf 300 Geburten pro Jahr.

Der Verzicht auf 300 Geburten pro Jahr ist für mich unverständlich. Das macht nur Sinn, wenn mich eine Geburt mehr kostet, als ich dafür erhalte. Die Fixkosten bleiben dieselben, ob ich nun 700 oder 1000 Geburten pro Jahr durchführe. Wer die Kosten senken will, braucht höhere Fallzahlen.

Gibt es im Sanitas und im Spital Zimmerberg unterschiedliche Unternehmenskulturen, welche die Fusion schwierig machen?

Der wichtigste Unterschied liegt in der Organisation. Das Spital Zimmerberg ist ein Chefarztspital mit einigen wenigen Belegärzten, das Sanitas funktioniert ausschliesslich mit Belegärzten, also selbstständigen Unternehmern.

Wie wirkt sich das aus?

Die Belegärzte im Spital Zimmerberg werden von Assistenzärzten unterstützt. Im Sanitas hingegen assistieren sich Belegärzte meistens gegenseitig. Das Sanitas hat keine operative Ausbildungsfunktion. Damit ist der Operationsbetrieb zwar effizienter, aber teurer. Und die Pflege hat im Sanitas dadurch eine viel höhere Kompetenz. Sie übernimmt quasi die Funktion der Assistenzärzte im Spital Zimmerberg.

Beide Spitäler sind zu teuer. Wie können sie das ändern?

Grundsätzlich können die Betreiber die Ausgaben- und die Einnahmenseite beeinflussen. Bei den Ausgaben sehe ich auf der medizinischen Seite wenig Spielraum. Bei den Einnahmen ist eher etwas zu machen.

Konkret?

Im Sanitas gibt es Kollegen, die 90 Geburten pro Jahr begleiten, wobei es sich ausschliesslich um allgemein versicherte Patientinnen handelt. Sämtliche halb privat oder privat versicherten Patientinnen betreuen sie an einer der Privatkliniken in Zürich.

Weshalb macht das Sinn?

Die Ärzte müssen in Zürich weniger Geld ans Spital abliefern.

Was muss das Spital unternehmen?

Das Spital muss mit den Belegärzten aushandeln, dass diese auch einen gewissen Prozentsatz zusatzversicherte Patientinnen bringen. Andernfalls dürfen sie mit den allgemein Versicherten ebenfalls nicht kommen.

Dann wandern die Belegärzte ganz einfach nach Zürich ab.

So einfach ist das nicht. Die Privatspitäler können ihnen nämlich nicht garantieren, dass sie ihre allgemein versicherten Patientinnen unterbringen. Es gäbe also keinen Massenexodus, und das Fallkostenproblem wäre gelöst.

Weshalb nimmt das Sanitas seine Belegärzte nicht im Alleingang an die Kandare?

Das würde deshalb nicht funktionieren, weil eben doch der eine oder andere Arzt abwandern könnte. Dadurch würden die Fallzahlen im Sanitas sinken. Die Fixkosten aber würden unverändert hoch bleiben. Das wäre in einem kleinen Spital wie dem Sanitas ein Schuss ins eigene Bein.

Nur das fusionierte Spital könnte also die Belegärzte in die Pflicht nehmen?

Ja.

Sie haben bereits die mangelnde Kommunikation angesprochen.

Bei den Belegärzten im Sanitas hat sich die Einsicht noch nicht durchgesetzt, dass nicht alles bleiben kann, wie es ist. Ohne Fusion geht das Sanitas pleite. Das wurde am Informationsabend nicht genug deutlich gesagt. Im Moment läuft die Fusion auf der Ebene der Spitaldirektionen ab. Da holt man die Mitarbeitenden nicht ab. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen aber hinter der Fusion stehen und sich dafür engagieren. Im Moment vermisse ich starke Figuren aus der Ärzteschaft, die sich für die Fusion einsetzen.

Welches könnten denn die integrierenden Figuren sein?

Zuständig für den gesamten belegärztlichen Bereich beider Spitäler wird die Chefärztin der Röntgenabteilung sein - die Begleitung einer Spitalfusion braucht aber einen Kliniker, um glaubhaft anzukommen. Und da sehe ich in Horgen bei den Chefärzten niemanden, der das im Moment übernehmen könnte oder wollte. Damit bleibt es eine Verwaltungsfusion.

Gibt es einen Ausweg?

So, wie die Sache heute aufgegleist worden ist, sehe ich keinen. Die Stiftungsräte der beiden Spitäler müssten dafür nochmals über die Bücher.

War die damalige Fusion der Spitäler Wädenswil und Horgen ein Erfolg?

Aus heutiger Sicht würde ich das bejahen.

Was war die besondere Herausforderung?

Alle operativen Disziplinen plus der Notfall waren in Horgen stationiert. Die innere Medizin und die Intensivstation befanden sich in Wädenswil. Wir konnten zwar zwei unterschiedliche Angebote an einem Standort konzentrieren, mussten aber auch zwei völlig unterschiedliche Kulturen zusammenbringen.

Wie meinen Sie das?

Der Chirurg interessiert sich in erster Linie für das Resultat. Ein gebrochener Knochen muss wieder zusammengefügt werden. Der Internist hingegen will wissen, weshalb sein Patient beispielsweise an Bluthochdruck leidet. Das kann seine Zeit dauern.

Inwiefern führt das zu Konflikten?

Die Internisten haben den Eindruck, der Chirurg interessiere sich nicht für die Ursachen. Die Chirurgen wiederum sagen, der Internist habe den Patienten eine Woche abgeklärt, und dieser sei immer noch kein bisschen gesünder.

Welche Probleme gab es für die Pflege?

Die Fusion Horgen-Wädenswil verlangte eine Umstellung von den Pflegenden. Eine Schwester auf der inneren Medizin war nun plötzlich mit einem Blinddarmpatienten - mit einer chirurgischen Wunde im Bauch - konfrontiert. Ausserdem war schon bald klar, dass der Standort in Wädenswil aufgegeben würde.

Das sorgte für Probleme.

Wir mussten den Wädenswilerinnen und Wädenswilern klarmachen, dass sie ihr Spital auch ohne Fusion verlieren würden und dass sie in Horgen ein vollwertiges Spital erhalten. Letztlich haben mehr als 80 Prozent der Stimmenden der Fusion zugestimmt.

Wie geht es jetzt weiter bei der aktuellen Spitalfusion?

Jetzt kommt dann die Phase, in der die Exekutiven der Trägergemeinden von der Fusion überzeugt werden müssen. Und bei der jetzigen Situation sind die Trümpfe einseitig verteilt. Es kann doch einfach nicht sein, dass Kilchberg nicht mitmachen würde. Das ganze Projekt wäre gefährdet, wenn die unteren Seegemeinden gegen die Fusion wären. Das ist der zweite Teil in einer Serie, die verschiedene Aspekte rund um die Spitalfusion - Spital Zimmerberg, Spital Sanitas - beleuchtet. Der Auftakt erschien am 13. Januar und befasste sich mit der Geschichte der Spitäler im Bezirk Horgen. Riedtmann: «Bei einer Fusion muss man die Mitarbeiter an Bord holen.» Foto: Silvia Luckner

Montag, 11. Januar 2010

Leserbrief von Sanitas-Belegärzten im Tages-Anzeiger 11.01.2010

Folgende Gynäkologen und Kinderärzte stehen bis jetzt hinter diesem Leserbrief:
Bruno Studer, Nadja Manneh, Francis Levy, Thomas Schwank, Norbert Fetkenheuer, Brigitte Pollmächer, Erich Fritsche, Peter D. Hagmann, Dietrich Behrens, Snejina Juricek, Michael Rabner, Hans-Ueli Hafner, Bernhard A. Vogel (Zürich), Jonas Rickli, Konstantin Ioannidis, Sabine Heller-Ioannidis, Charles Etterlin

Im Zuge der geplanten Fusion der Spitäler Zimmerberg und Sanitas soll die Geburtsabteilung am Sanitas (2009 650 Geburten) geschlossen und Geburtshilfe künftig nur noch am Spital Zimmerberg (2009 450 Geburten) angeboten werden. Als Hauptargument werden Kosteneinsparungen von jährlich 1,5 Mio. Franken (jährlicher Gesamtaufwand 100-120 Mio. Franken) genannt. Gleichzeitig wird der Verlust von 300 Geburten an die Stadtzürcher Spitäler erwartet.

Diese Entscheidung erscheint äusserst fragwürdig: Welches Spital soll die 300 Geburten übernehmen? Alle Zürcher Spitäler stossen bereits jetzt an ihre Kapazitätsgrenzen. 2009 mussten erstmals Geburten wegen Überfüllung abgewiesen und an andere Spitäler weitergewiesen werden. Das Spital Zimmerberg steht mit seinen 450 Geburten ebenfalls nahe an seiner Kapazitätsgrenze: wie will man die zusätzlichen 350 Geburten aus dem Sanitas verkraften? In Adliswil werden derzeit hunderte günstige Wohnungen erstellt: wohin sollen sich die hier zu erwartenden Schwangeren für die Geburt wenden?

Das Spital Zimmerberg kann schon heute die geburtshilfliche Grundversorgung für die Trägergemeinden nicht gewährleisten, künftiges Wachstum ist ausgeschlossen. Es sei denn, das Spital Zimmerberg erweitert seine Bettenkapazität. So würde nicht überraschen, wenn nach erfolgter Schliessung der Geburtsabteilung am Sanitas Antrag auf Bau eines neuen Bettentraktes einschliesslich Parkgarage in Horgen gestellt würde. Die Kosten wären sicher höher als die über 25 Jahre aufaddierten Einsparungen.

Das Spital Sanitas wurde in den letzten Jahren für rund 60 Mio. Franken saniert und modernisiert. Allein in die Wochenbettabteilung wurden dieses Jahr 800000 Franken investiert. Die Geburtsabteilung ist ohne weiteres imstande, jährlich 1000 Geburten zu betreuen. Wachstum ist ohne grössere Folgeinvestitionen möglich. Die Einsparung von maximal 1,5 Prozent des jährlichen Betriebsaufwandes rechtfertigt in keiner Weise die Preisgabe von 300 Geburten, den Verzicht auf Wachstum und die Einschränkung der geburtshilflichen Grundversorgung der Trägergemeinden. Da zudem mittelfristig Kostenfolgen in Millionenhöhe nicht auszuschliessen sind, darf die bestens etablierte und allen Erfordernissen genügende Geburtsabteilung des Spitals Sanitas nicht geschlossen werden, sondern muss als geburtshilfliche Klinik des fusionierten Spitals Zimmerberg/Sanitas weitergeführt werden.