Dienstag, 26. Januar 2010

Jetzt regt sich auch in Adliswil Widerstand gegen die Spitalfusion

Mit einer Einzelinitiative will ein Adliswiler Ehepaar erreichen, dass das Stimmvolk über die Fusion der Spitäler Sanitas und Zimmerberg entscheidet. Im Gemeinderat hat das Begehren gute Chancen.

Immer lauter ist die Kritik. Immer stärker wird der Widerstand, und immer mehr breitet er sich aus. Der Kampf gegen die Schliessung der Geburtsabteilung des Kilchberger Sanitas-Spitals infolge der geplanten Fusion des Hauses mit dem Horgner Zimmerberg-Spital geht in die nächste Runde. Bis jetzt haben erst der Kilchberger Gemeinderat, die Kilchberger FDP und die Belegschaft des Sanitas-Spitals gegen die Fusionspläne opponiert. Jetzt regt sich auch in Adliswil Widerstand.

Mit einer Einzelinitiative wollen Nadja Manneh-Stark und ihr Ehemann Günter Stark die Gemeinde dazu bewegen, den Fusionsvertrag nicht zu genehmigen. Acht von zwölf Trägergemeinden der beiden Spitäler müssen dem Vertrag zustimmen, damit die Fusion tatsächlich umgesetzt wird. Dies soll noch im nächsten halben Jahr an den Gemeindeversammlungen geschehen, in Adliswil entscheidet der Stadtrat, in Wädenswil das Parlament.

Pikante Details

Schon nächste Woche wird der Gemeinderat Adliswil über den Vorstoss beraten. Initiantin Nadja Manneh-Stark ist von der Fusion selbst betroffen. Die Gynäkologin arbeitet als Belegärztin im Spital Sanitas. Laut ihrem Mann Günter Stark hat sie einen grossen Anteil an den rund 600 Geburten, die jährlich in Kilchberg durchgeführt werden. Darum kämpft das Paar gegen die Schliessung der Geburtsabteilung, und «weil nachher im Bezirk etwas fehlt», wie Günter Stark sagt. «Kommt die Fusion wie geplant zustande wird das Sanitas sterben. Da sind wir uns ziemlich sicher. Um überleben zu können, reisst Horgen alles an seinen Standort.» Stark spricht von einer «feindlichen Übernahme».

Im Initiativtext bringt das Paar bewusst auch neue, pikante Details an die Öffentlichkeit. Dass die Geburtsabteilung entgegen den ursprünglichen Plänen nach Horgen komme, sei an einer Arbeitssitzung im November entschieden worden. An diese Sitzung seien vierzehn Personen geladen worden – neun Vertreter vom Spital Zimmerberg und fünf Vertreter vom Sanitas. Auch Nadja Manneh-Stark war dabei. «Es wurde abgestimmt: Die Abstimmung endete 8:6 zugunsten Zimmerberg – wen wundert es?», schreiben die Initianten. Die beiden glauben, dass die Initiative Chancen hat. Ein Drittel der Gemeinderäte muss sie unterstützen, damit sie an den Stadtrat gelangt. «Zwölf Parlamentarier, das ist nicht viel», sagt Stark.

In vielen Parteien Sympathien

Es sieht tatsächlich danach aus, als ob die Initianten die nötige Unterstützung bekommen. Die Fraktionssitzungen für die nächste Gemeinderatsdebatte haben alle noch nicht stattgefunden, deshalb hat auch keine Adliswiler Partei ihre offizielle Haltung kundgetan. Obwohl gegen die Spital-Fusion an und für sich niemand etwas einzuwenden hat, sympathisieren Vertreter fast aller Parteicouleur mit dem Vorstoss des Ehepaars Stark.

SVP-Präsident Renato Günthardt beispielsweise wurde selbst im Sanitas geboren. «Die Geburtsabteilung ist ein wichtiges Standbein. Ich habe Mühe damit, dass offensichtlich Versprechungen nicht eingehalten wurden», sagt der Gemeinderat.

Ähnlich klingt es aus der CVP. Präsidentin Ruth Oesch, die selbst nicht im Gemeinderat sitzt, ist «eine absolute Befürworterin» der Initiative.

SP reicht Interpellation ein

SP-Gemeinderat Davide Loss stösst ins gleiche Horn. Er überbrachte gestern Vormittag dem Stadtrat eine Interpellation. «Zahlreiche Mütter gebären ihre Kinder im Spital Sanitas. Von einer Schliessung der Geburtsabteilung wären viele Adliswiler Familien betroffen», schreibt Loss. Er will bewirken, dass es eine «sinnvolle Lösung» fürs Spital Sanitas gibt. Der Gemeinderat würde die Fusion unterstützen, wenn die Geburtsklinik in Kilchberg bliebe.

Nur bei der FDP stehen die Karten für die Einzelinitiative wohl schlecht. Gemeinderat Peter Werder von der FDP wollte sich gestern noch nicht dazu äussern, und der freisinnige Stadtrat Heinz Spälti hat als Stiftungsratsmitglied des Spitals mitentschieden, die Geburtsabteilung in Horgen zu konzentrieren. «Herz und Kopf waren sich nicht einig. Ich musste die Fakten berücksichtigen», sagt der Gesundheitsvorstand.

«Initiative bringt nichts»

Spälti zeigt Verständnis für die Initiative. «Das ist das Recht jedes Bürgers», sagt er. «Doch die Initiative bringt nichts.» Spälti sagt, er gehe davon aus, dass sie nicht gutgeheissen wird. Und wenn doch, gehe sie an den Stadtrat. Dieser hat eineinhalb Jahre Zeit, um den Antrag zu behandeln. «Bis dann ist die Fusion längst vollzogen», sagt er. Auch liege die Kompetenz, über den Fusionsvertrag zu entscheiden, beim Stadtrat. Er sagt, eine Initiative könne dem Stadtrat diese Kompetenz nicht entziehen.

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