Freitag, 5. Februar 2010

Interview mit Claudia Matter, Leiterin von Wochenbett und Kinderchirurgie im Spital Sanitas und Angela Brunner, Zürichsee-Zeitung 5.2.2010

Spitalangestellte demonstrierten

Ab 2011 soll die Geburtshilfe des Spitals Sanitas nach Horgen verlagert werden. Das Personal demonstrierte und erhielt politische Unterstützung.

Claudia Matter, am Mittwoch haben Sie vor der Gemeinderatssitzung gegen die Schliessung der Geburtshilfe im Kilchberger Spital Sanitas demonstriert. Was erhofften Sie sich?
Dass wir wahrgenommen werden. Mit dabei waren ein Dutzend der 27 Angestellten, dazu Schwangere und Mütter. Wir wollten unsere Gynäkologin Nadja Manneh-Stark unterstützen, die eine Einzelinitative gegen die Fusion lanciert hat. Die Gemeinden sollen schauen, ob die Konzentration der Geburtshilfe in Horgen wirklich die einzige Möglichkeit ist.

26 Gemeinderäte erklärten ihre vorläufige Zustimmung zur Initiative. Jetzt muss der Stadtrat Stellung nehmen. Glauben Sie, dass Sie mit Ihrer Demonstration die Adliswiler Gemeinderäte beeinflussen konnten?
Wir sind zufrieden und überrascht vom Resultat der Gemeinderatssitzung. Auf den Entscheid haben wir aber wenig Einfluss gehabt. Die Gemeinderäte hatten sich ihr Urteil bereits gebildet. Wir wollten mit unserer Aktion ein Zeichen setzen und zum Ausdruck bringen, wie enttäuscht wir über die Schliessung sind. Wir sind traurig, dass wir unsere Arbeitsplätze Ende Jahr aufgeben müssen.

Wollen Sie den Protest in anderen Gemeinden wiederholen?
Das diskutieren wir. Ich denke, dass wir weiterhin vor Gemeindeversammlungen aktiv sein werden - in der Hoffnung, etwas bewirken zu können. Die Fusion ist für beide Spitäler sinnvoll. Anderer Meinung sind wir aber beim Entscheid gegen die Geburtshilfe im Sanitas. Das Sanitas wurde mit der Geburtshilfe gegründet, sie ist das Herz des Spitals. Wenn dieses fehlt, droht auch der gute Ruf des Spitals verloren zu gehen.

Fünf von zwölf Gemeinden im Bezirk müssten Nein sagen. Ist das realistisch?
Das ist schwierig einzuschätzen. Im Team wissen wir, dass wir nur eine kleine Chance haben. Aber gerade dieser Hoffnungsfunke hält uns aktiv. Wir haben auch Rückmeldungen von Gemeinden wie Kilchberg und Adliswil erhalten, die mit der Schliessung nicht so einverstanden sind. Dies spornt uns an.

Kann die Schliessung der Geburtshilfe im Sanitas eine Chance sein für die Geburtenabteilung in Horgen?
Es ist zu erwarten, dass das Spital Zimmerberg einen Zuwachs an Geburten haben wird. Aber meiner Meinung nach besitzt das Sanitas das bessere Potenzial: Das Knonauer Amt wächst, und Schwangere aus dem Raum Zürich dürften verloren gehen, da sie zum Gebären kaum bis Horgen fahren werden.

Könnten Sie sich vorstellen, im Spital Zimmerberg zu arbeiten?
Das würden wir gern, aber diese Möglichkeit besteht nur für Hebammen, nicht für Kinderkrankenschwestern und Pflegefachfrauen. Im Spital Zimmerberg werden die Frauen während der Schwangerschaft und bis zum Ende des Wochenbetts ausschliesslich von Hebammen betreut.

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