Protestaktion gegen Schliessung der Geburtsabteilung
Aktualisiert am 04.02.2010
Noch selten sind die 36 Adliswiler Gemeinderäte mit einem Spalier begrüsst worden. Noch selten ist eine Gemeinderatssitzung von so vielen Zuschauern, so viel Kinderquengeln und so viel Applaus nach Voten begleitet worden. Zu feiern gab es gestern Abend aber nichts. Die rund 50 schwarz gekleideten Krankenschwestern, Hebammen, Ärzte und Mütter sind für ihre Geburtsabteilung im Spital Sanitas gekommen. Sie kamen mit Kindern und Kinderwagen, sie kamen mit Transparenten, sie kamen mit Glühwein und Toffifee sowie mit Réchaud- und Grabkerzen.
«Babys wählen Sanitas!», riefen die mehrheitlich weiblichen Demonstranten im Chor den Gemeinde- und Stadträten auf dem Weg in die Aula des Schulhauses Hofern zu. Einzelne Politiker schüttelten Hände, andere eilten schnurstracks in den Ratssaal. «Sie sind diesen Aufmarsch halt nicht gewohnt», sagte eine Krankenschwester.
Grund für den Spalier war Traktandum vier (siehe Hauptartikel). Die Adliswiler Gynäkologin Nadja Manneh-Stark hatte zusammen mit ihrem Mann Günter Stark eine Einzelinitiative eingereicht, in der sie die geplante Fusion des Horgner Spitals Zimmerberg mit dem Kilchberger Spital Sanitas infrage stellt, wenn die Geburtsabteilung des Sanitas geschlossen und die Geburtsabteilung in Horgen konzentriert wird.
26 Gemeinderäte unterstützten nach ausführlichen Diskussionen die Initiative. Einzig die FDP- und die EVP-Fraktion sprachen sich dagegen aus. Auf der Tribüne des Ratssaals wurde applaudiert, Initianten und Krankenschwestern, Hebammen und Mütter lagen sich in den Armen. «Dass das Resultat so hoch ausfällt, hat mich überrascht», sagt ein Gynäkologe. «Ich bin kein emotionaler Mensch», sagt Nadja Manneh-Stark und spricht damit ein Votum aus der FDP-Fraktion an, in dem vorgeworfen werde, dass in den anderen Fraktionen nur das Herz, aber nicht der Kopf entschieden habe. Manneh-Stark sagt: «Der Entscheid, die Geburtsabteilung im Sanitas zu schliessen, darf nicht einfach durchgewinkt werden.» Der Entscheid sei laut Manneh-Stark nicht richtig.
Für Claudia Matter, Leiterin der Geburtshilfe, ist die grosse Unterstützung «Ansporn», um für die Geburtsabteilung weiter zu kämpfen - etwa in Langnau oder Rüschlikon. Matter war Mitorganisatorin der Demonstration. Mobilisiert hat sie die spalierstehenden Demonstranten ausschliesslich über die Internetplattform Facebook. (led/mor)

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