Montag, 8. Februar 2010

Rede von Gemeinderätin Frau Nicole Kappeler / CVP vom 3.2.2010

CVP Adliswil Aktuell

Votum CVP Adliswil an der Gemeinderatssitzung zur Einzelinitiative betreffend Fusion Spital Sanitas und Spital Zimmerberg
03.02.2010

Die CVP hat sich intensiv mit dem Thema der Fusion der Geburtenabteilung vom Spital Sanitas ins Spital Zimmerberg auseinandergesetzt.
Im Gesundheitswesen wird durch die neu eingeführten Fallpauschalen eine markante und einschneidende Veränderung stattfinden. Spitäler werden fusionieren oder schliessen müssen, weil sie die Anforderungen nicht mehr erfüllen. Klar scheint demnach auch, dass nun jede Institution versucht die bestmögliche Lösung zu finden, um den eigenen Betrieb/Spital über Wasser zu halten.
Dass eine Fusion der Geburtenabteilung Sanitas und Zimmerberg finanzpolitisch Sinn macht ist einleuchtend und zudem eines der Stichhaltigsten Argumente in der ganzen Diskussion. Nur kann ein solches Vorhaben nicht nur von der finanziellen Seite begutachtet werden. Vielmehr sollte ein solches Vorhaben auch Sinn machen und praktisch realisierbar sein.
Die Idee die Geburtenabteilungen zusammen zu legen ist sicherlich sinnvoll, denn nur so kann diese theoretisch überleben und die nötigen Fallzahlen in Zukunft erreichen.
Um auch für notfallmässige Geburten und Kaiserschnitte gerüstet zu sein muss mindestens ein Anästhesist für eine 24 h Notfallversorgung vorhanden sein. Dies an zwei Orten anzubieten ist mit Kosten verbunden und es leuchtet ein, dass die Verlegung an einen Ort aus finanzieller Sicht Sinn macht. Für die Mutter ist gesorgt, das Kind wird bei Problemen im Notfall weiterhin Richtung Zürich auf eine Neonatologie verlegt werden müssen, dies bedeutet im Zimmerberg im Vergleich zum Sanitas nochmals einen 20min. längeren Weg. Zeit ist in der Medizin Leben. Zudem sind Transporte und Eintritte in ein Zweitspital erneut mit erheblichen Kosten verbunden.
Grundsätzlich sei gesagt, dass eine Geburtenabteilung im Allgemeinen zu den defizitären Abteilungen eines Spitals gehört. Dies ging auch aus einem Gespräch, welches ich mit einer Chefärztin der Gynäkologie geführt habe hervor. Jedoch sei gesagt, dass eine gut funktionierende Geburtenabteilung, durch zufriedene Gebärende und eine grosse Anzahl von Besuchern einen Gewinn für jedes Spital darstellt und zu einem guten Ruf beiträgt.
Die CVP hat sich die Frage gestellt wieso man eine gut funktionierende Geburtenabteilung in einem neu renovierten und eingerichteten Spital, welches zudem den werdenden Müttern eine Atmosphäre bietet, in der man sich wohl fühlt und man nicht in erster Linie denkt in einem Spital zu sein in ein Spital verlegt, von welchem die Geburtenabteilung bisher kaum wahrgenommen wird. Zudem ist es noch eines der wenigen Geburtsspitäler, welche es allgemein versicherten Frauen erlaubt ihre eigene Gynäkologin mitzunehmen. Ist dies auch im Zimmerberg möglich oder werden dort in Zukunft nur noch die bereits angesiedelten Gynäkologen akzeptiert? Im Sanitas arbeiten meines Wissens 16 Belegärzte, im Zimmerberg deren 6.
Uns ist sehr wohl bewusst, dass mit dem neuen System im Gesundheitswesen eine Transparenz zwischen den Spitälern geschaffen werden will, welche sich auf Fallzahlen und klare schematisierte Vorgaben bezieht. Dies sind auch in diesem Fall die stichhaltigen Argumente. Was wir jedoch zu bedenken geben möchten ist, dass wir es in der Medizin nicht mit Gegenständen und Produkten zu tun haben sondern mit Menschen, welche in ihrer Vielfältigkeit in den verschiedenen Situationen von Geburten über Unfälle bis zu Krankheiten individuell reagieren. Dies macht die ganze Thematik auch komplexer. Dies bedeutet auch, dass diese nicht nur finanziell/wirtschaftlich, sondern auch aus einem ethischen Blickwinkel angeschaut werden muss. Daher auch die emotionalen Argumente, welche nur wenig Stichhaltig, sowohl positiv als auch negativ für das ein oder andere ausgelegt werden können und oftmals aus dem praktischen Alltag und den dabei gewonnen Erfahrungen kommen. Leider werden die direkt betroffenen bei solchen Entscheidungsfindungen nur wenig bis gar nicht einbezogen, um sinnvolle Lösungen anzustreben.
Wir erachten die Fusion aus finanzieller und Gesundheitspolitischer Sicht als notwendig, wir unterstützen die Einzelinitiative aus folgendem Grund:
Aus unserer Sicht macht es keinen Sinn die Gynäkologie aufzuteilen und die Geburten in einem, die gynäkologischen Eingriffen im anderen Spital durchzuführen, sind doch die selben Ärzte beteiligt. Aus meiner persönlichen Sicht waren wahrscheinlich an dieser Entscheidung mehrheitlich Männer beteiligt, welche nur wenig Kenntnis über dieses Fachgebiet verfügen. Dies soll lediglich eine Feststellung und Gedankenanregung jedoch keine Wertung sein.
Was nützt es wenn die Gynäkologin bei einem geplanten Eingriff im Sanitas am arbeiten ist und notfallmässig zu einer Geburt ins Zimmerberg muss, dies bedeutet einen erhebliche Stress und Zeitfaktor und ist zudem höchst umständlich für die zuständigen Fachärzte. Es macht schlichtweg keinen Sinn!
Als weitere Gedankenanregung möchten wir noch folgende Fragen in den Raum stellen:
Das Sanitas hat seinen Namen und seine Bekanntheit heute vorwiegend durch eine gut funktionierende Gebärabteilung, fällt diese weg sind dann nicht bereits die Weichen für eine definitive Schliessung des Spitals gestellt? Weiter stellt sich die Frage, ob die Theorie, dass die Geburten in dieser Zahl vom Sanitas ins Zimmerberg übernommen und dabei die notwendigen Fallzahlen für einen Erhalt der Abteilung gewährleistet werden können realistisch und nicht zu optimistisch sind? Gibt es nicht eher eine Abwanderung nach Zürich, weil dort die Angebote umfassender sind was die Betreuung von Mutter und Kind anbelangt? Pessimistisch gesehen, laufen wir nicht Gefahr, in Zukunft die Geburtenabteilung auch im Zimmerberg ganz schliessen zu müssen, weil die nötigen Fallzahlen nicht erreicht werden? Lohnt es sich in ein defizitäres Geschäft zu investieren?
Welchen Sinn macht es ein Spital weiter auszubauen, wenn an einem anderen Standort die Infrastruktur bereits in modernster Form gegeben ist.
Wir sind uns bewusst, dass viele der genannten Argumente auf einer emotionalen Basis fundieren, auf Annahmen und Spekulationen. Die Fakten werden wir erst in ein paar Jahren kennen. Wer es genauer wissen will, wie das Gesundheitswesen in Zukunft aussehen wird, soll über die Grenzen nach Deutschland schielen. Etliche Spitalschliessungen, Unzufriedenes und zunehmend fehlendes Personal im Gesundheitswesen. Massive Qualitätsverluste in der Behandlung von Patienten. Es geht ans Lebendige.
Dass effektiv gespart werden konnte mit den DRG konnte bisher nur auf dem Papier theoretisch belegt werden in der Praxis ist dies in keinem der Länder, welches mit diesem System arbeitet bisher bewiesen worden.

Ich danke für ihre Aufmerksamkeit
Nicole Kappeler

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