Freitag, 19. März 2010

Tages-Anzeiger 19. März 2010

Woher bekommt
man 14,5 Millionen?


Adliswils Stadtrat spricht sich für die Spitalfusion
Sanitas - Zimmerberg aus.

Die Opposition ist erstaunt und bereit zu kämpfen.

Adliswil - Als der Adliswiler Stadtrat ihre «Einzelinitiative gegen
Fusion Spital Sanitas mit Spital Zimmerberg» abwies (TA von gestern),
war Nadja Manneh noch bei der Arbeit. Die Adliswiler Gynäkologin arbeitet als Belegärztin im Sanitas und rechnete damit, nach Feierabend an der Stadtratssitzung teilzunehmen. Doch das Traktandum wurde vorgezogen, und eine Schwester der Geburtsabteilung informierte Manneh übers Telefon. Die Ärztin sagt: «Ich bin wie vor den Kopf gestossen.»

Für die Rettung der Abteilung engagiert sich auch die Kinderkrankenschwester
Christa Weber – mit einem Facebook-Profil und einem Blog (Babies-
waehlen-sanitas.blog-spot.com). Sie hält sich an die Aussage des Stadtrates,
wonach er den Erhalt der Geburtsabteilung unterstütze, wenn die Finanzierung gesichert sei. Sie meint es auch ironisch, wenn sie sagt: «Wir wollen jetzt Sponsoren suchen.» Es handelt sich um eine Summe von 14,5 Mio Franken, aber für die Angestellten des Sanitas geht es um den Job. Für die Wöchnerinnen geht es um die Rettung der Geburtsabteilung.

Nun liegt der Ball beim Gemeinderat. CVP-Fraktionspräsident Thomas Fässler
weiss im Moment keinen Rat. Der Stadtrat habe die Einzelinitiative
abgewiesen, «damit sind die Möglichkeiten ausgeschöpft». Gemeinderat Davide Loss (SP) sagt,der Entscheid des Stadtrats gehe in Ordnung: «Man hat die Antwort auf die Einzelinitiative nicht auf die lange Bank geschoben und Farbe bekannt.» Loss sagt kämpferisch, man wolle versuchen, die Millionen zusammenzubringen – obwohl es schwierig werde. Doch dann könnte der Gemeinderat den Antrag des Stadtrats ablehnen. «Stimmt der Gemeinderat zu», sagt Loss, «dann wird längerfristig das Sanitas schliessen. Dessen müssen wir uns bewusst sein.» (dst)

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